Jede fortlaufend nummerierte, zweisprachige Edition enthält jeweils fünf ausgewählte Kunstdrucke der von Thomas Balzen liebevoll kreierten, stimmungsvollen Graphiken. Die kurzen ostfriesischen Bildkommentare finden auf der Rückseite der jeweiligen Motivkarten ihre hochdeutsche Entsprechung und tragen so gleichsam zum Erhalt der ostfriesischen Muttersparche bei. Eigentümliche Backsteinbauten, regionaltypisches Flair und natürlich gewachsenes Ambiente der von Kanälen und Mooren durchzogenen, ostfriesischen Landschaften, Traditionelles, Arbeit, Handwerk und menschliches Miteinander der 1920er bis 1950er sind die bevorzugten Farbfelder, die der Künstler mit friesischen Wurzeln in einzigartige, detailierte Werke der Poesie verwandelt. Famos angelegt in Bleistift-, Aquarell- oder Crossing- Borders-Techniken sind die Graphiken von Thomas Balzen ganz sicher auch ein sichtbar gemachtes Stück gelebter Heimatverbundenheit. Und nicht selten entdeckt man auf den zweiten Blick auch die ein oder andere versteckte Botschaft oder Details, die sich erst im Laufe des Betrachtens scheinbar aus einem zweiten Hintergrund heraus zu erkennen geben. Typisch ostfriesisch. Unaufdringlich, in sich ruhend, wach, klar und unbeeindruckt vom Getöse der Gezeiten, mit treffender Direktheit, sicherem Blick und Gespür für das Wesen der Dinge seines jeweils geschichtlichen oder gesellschaftlichen Interessenumfelds.   Wie so oft beginnt auch diese Künstlergeschichte mit dem ersten Strich. Im Fall von Thomas Balzen geschah dies im Alter von zweieinhalb Jahren. Aufgewachsen inmitten einer herrlich stimulierenden Landschaft mit all ihrer Schroffheit und mütterlichen Wärme im Herzen Ostfrieslands, machte sich der kleine Entdecker auf dem Hof und Land seiner Großeltern auf, seine täglichen Begegnungen eifrig kommentierend auf Papier zu bannen. Wobei “Papier” hier nicht ganz richtig ist. Da die ersten Striche  von gut DIN A5 großen Pappeinlegern geduldig aufgenommen wurden, wie sie in den Verpackungen der Nylonstrümpfe seiner Großmutter zu finden waren. Allerdings verbrauchte diese, im Verhältnis zur wachsenden, künstlerischen Kreativität nicht genügend neue Strümpfe. So das bis zur großzügigen Umstellung auf Schreibmaschinenpapier, zunächst Verwandte, Nachbarn, Freunde und Besucher um entsprechend materielle Unterstützung gebeten wurden. Auch der Verschleiß an Bleistiften, dem bevorzugten Zeichengerät, war enorm, wie sein Großvater zu seinem Leidwesen feststellen mußte. Er irrte in der Annahme, dass ein frisch gespitzter, stolze 40 Zentimeter langer Maurerbleistift sicher bis zur Einschulung des begabten Enkels reichen würde.  Denn bis dahin verwandelten sich bereits mehrere Dutzend Bleistiftgenerationen   unter seiner Hand in verschiedenste Motive und Szenarien des ländlichen Alltags. Die Liebe zum Detail und der Blick in die Seele des Motivs sind Thomas Balzen auch heute noch treue Gefährten bei seinen Streifzügen durch das, was war, ist und all jenes, was dahinter beginnt. Zu den Recherchen der historischen Entwicklung unserer Heimat Ostfriesland und der Region Großefehn, als Keimzelle der ostfriesischen Fehnkultur sowie der damit verknüpften, tief wurzelnden, familiären Verbindung, traten im Verlauf immer wieder Dokumente ans Tageslicht, von denen der Zahn der Zeit schon manch kräftigen Bissen genommen hatte. Auch die Erinnerungen entsprechender Zeitzeugen unterliegen leider jener natürlichen Auflösung. Und so entschieden wir uns, die Geschichten und Gechichte unserer Heimat textlich, aber vor allem visuell zu rekonstruieren oder  überhaupt erst darzustellen und mit Phantasie und Zeichenfeder zu konservieren. Daraus sind nun einige Zeichnungen entstanden, die wir in verschiedenen Editionen zusammengestellt haben. Der Titel der gesamten Kollektion “Ut Haasketied” beschreibt dabei, in typisch ostfriesischer Klarheit, sehr treffend den Zeitraum, aus dem wir vorwiegend unsere Portraits von Land und Leuten schöpfen. Nämlich einen Bereich von etwa ein bis zwei Generationen vor der Gegenwart. Also jenen Zeitraum, in der der Hase (Haas) noch ein Häschen (Haske) war.